Was kommt nach Wikileaks

Whistleblowing als Dienstleistung oder Crowdsourcing Projekt?


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Es gibt sie schon seit Jahrhunderten – dieses Jahr standen sie besonders im Fokus der Aufmerksamkeit: Whistleblower, zu deutsch in etwa: „positive Geheimnisverräter“, „Tippgeber“ oder auch ‚ethische Dissidenten’. Aber ist Whistleblowing gleichbedeutend mit der prominenten Plattform Wikileaks? Spätestens seit ihrem dritten großen Coup im Jahre 2010 steht die Organisation unter aktivem Beschuss der US-Regierung – und sie leidet unter immer mehr Personalproblemen. Zu undemokratisch und intransparent seien die ganz auf Leiter Julian Assange konzentrierten Strukturen, so lautet die Kritik von zwischenzeitlich abgewanderten Mitstreitern. Ob Assange trotz seiner temporären Freilassung in Großbritannien jemals wieder so aktiv auf der Pfeife blasen kann wie zuvor, ist derweil zu bezweifeln. Der Fokus auf Assange macht Wikileaks also angreifbar. Und die Flut an geleakten Dokumenten übersteigt die Kapazitäten. Sowohl derer, die sie auswerten sollen, also auch der Öffentlichkeit, die sie wahrnehmen soll.
Dezentrales Whistleblowing könnte da eine Lösung sein, an der der ehemaligen Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheid-Berg mit seinem Projekt Openleaks arbeitet – Zeitungsverlage sollen damit eine Whistleblowing-Funktion in ihre eigenen Portale einbinden können. Die internationale Aktvistenorganisation Anonymous dagegen setzt mit ihrer “Operation Leakspin” auf Crowdsourcing-Mechanismen, viele Laien statt weniger Journalisten sollen hier geleakte Dokumente auswerten. Aber kann Whistleblowing überhaupt ohne die Publikationskraft großer Verlagshäuser funktionieren?
Kollegin Christine Watty stellt uns verschiedene Ansätze vor – und der redaktionsinterne Wikileaks-Fachmann Philip Banse analysiert im Gespräch deren Chancen und Perspektiven.

Kommentare

    teile und herrsche – oder was soll dieser zersetzende artikel über sinn und unsinn, stärken und schwächen von wikileaks. sind wir doch froh und dankbar, dass uns demokraten endlich mal wieder in den allerwertesten tritt. es sind zwar banalitäten, die veröffentlicht werden, aber inziwschen haben sich die regierungen demokratischer staaten offensichtlich so stark totalitarisiert, dass selbst diese banalitäten sich nach dem henker rufen lassen. und die sog. 4. gewalt in den demokratien schläft weiter vor sich hin. statt die kriminellen machenschaften eines MP eine Eu Landes aufzudecken wird lieber der kriminalisiert, der presse und den medien den spiegel vorhält indem sie sehen können, dass sie daran arbeiten, sich überflüssig zu machen.

    Es geht weiter, wieder verliert wikileaks eine Bankverbindung. Visa, Mastercard, Paypal und jetzt die Bank of America: Die Großbank reiht sich bei den Unternehmen ein, die Zahlungen an WikiLeaks sperren. Vielleicht liegt es daran, dass wikileaks als nächstes Ziel eine amerikanische Grossbank anvisierte. Auf der anderen Seite wird man an diesem Beispiel sehen, ob es auch auf Seiten der Banken monopolistische Strukturen gibt. Das wäre wirklich nicht gut.

    Wie sagte DIETER NUHR in seinem Jahresrückblick kürzlich: “WikiLeaks – das sind doch die, die wir damals auf dem Schulhof verprügelt haben …”

    Damals hießen Petzer noch Petzer. Heute braucht man für die gute alte Denunziation (= das Petzen) marketingtaugliche (= webtaugliche) Begriffe, die TATSACHEN verschleiern helfen: WHISTLEBLOWING!

    Das im Netz viele User auf diese Debatte ganz anders antworten und Demokratie sowie Pressefreiheit in Gefahr sehen (zu Ungarn, wo Pressefreiheit faktisch abgeschafft wurde, aber gar nichts, absolut gar nichts sagen) liegt m.E. daran, dass viele gute Köpfe überhaupt nicht im Internet präsent sind.

    Das Web ist voller Verschwörungstheoretiker!

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