• 11. August 2012 16:08
  • Medien und Meinungen, Sendung vom 11.08.2012
  • 5 Kommentare

Transparenz in der Sportberichterstattung

Medien und Meinungen vom 11.08.2012

cc by-sa flickr
Popup | MP3-Download | Player einbinden

Dem Sportjournalismus wird oft unterstellt, zu viel Stallgeruch zu haben: Wenn sich im Fußball Spieler und Interviewer duzen zum Beispiel. Wirklich kritisch berichtenden Journalisten wird es immer wieder schwer gemacht, wie wir jüngst in der Debatte um den Medaillenplan des Innenministeriums für die Olympischen Spiele beobachten konnten: Der durfte erst nach langem Druck durch die Medienmacher und einem entsprechenden Gerichtsurteil veröffentlicht werden.

Korruption im internationalen Sport und Intransparenz sind ein Thema, das auch der Journalist Jens Weinreich seit Jahren immer wieder aufgreift – auf seinem eigenen Blog und auch in Presse und Hörfunk. Im Deutschlandfunk etwa mit einem Plädoyer für einen Medienboykott des Bundestagssportausschusses. Bei Breitband haben wir zum Beispiel über Weinreichs Rechtsstreit mit dem DFB berichtet.

Wir wollen den Diskurs anregen: Was muss passieren, um einen unabhängigen, kritischen Sportjournalismus in Deutschland zu fördern? Kann ein Lobbyistenregister helfen, wie es Christian Humborg von Transparency International fordert? Braucht es eigens dem Thema gewidmete Sendeplätze im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, oder reichen die Sportfelder, die es bereits gibt? Kann wirklich unabhängiger Sportjournalismus am Ende gar nur auf privaten Plattformen erfolgen?

 

P.S. Die aktuelle Debatte zu Jens Weinreichs Beschäftigung bei der Deutschlandfunk-Sportredaktion ist hier nicht das Thema. Hierfür verweisen wir auf die öffentlichen Statements von Jens Weinreich und Deutschlandradio.

 

Foto: cc by-sa flickr/RambergMediaImages

 

Kommentare

    Ich habe in dem verlinkten Kommentar nicht zu einem “Boykott” aufgerufen. Unterzeile und Vorspann sind nicht von mir, so etwas machen Redaktionen, damit müssen freie Autoren (leider) leben. Ich habe weit graziler argumentiert.

    Etwa so:

    “Die Kernfrage lautet deshalb: Muss Journalismus im dritten Jahrtausend noch so funktionieren? Gibt es eine Pflicht zur Termin-Berichterstattung über einen Ausschuss, der sich mehrheitlich der Öffentlichkeit verweigert?

    Eine Antwort lautet: Es gibt diese Pflicht nicht. Es gibt sie überhaupt nicht – mehr. Eine zweite Antwort lautet: Dagegen hilft nur Recherche, und zwar losgelöst von Sitzungsterminen.

    Es sind die Abgeordneten, die mit Ihrer Haltung eine wahrhaftige Berichterstattung verhindern. Und es spielt auch keine Rolle, ob fast alle Ausschüsse des Bundestages ebenfalls nichtöffentlich tagen. Derlei Verhaltensmuster sind inakzeptabel – sie passen nicht in diese Zeit. Denn die Gesellschaft braucht Transparenz wie die Luft zum Atmen. Der Bürger darf Transparenz erwarten und verlangen. Journalisten sollten es auch.

    Journalisten sind nicht dafür da, den Zeitvertreib von Untätigen und Inkompetenten zu protokollieren. Abgeordnete, von denen man weiß, dass sie in vielen Jahren der öffentlichen Sitzungen kaum einmal fundierte Vorträge vorbrachten und ihre Kontrollpflichten sträflich vernachlässigten, nun danach zu befragen, wie heldenhaft sie gerade hinter verschlossenen Türen die Demokratie verteidigt haben, nein, das ist nicht Aufgabe von Journalismus.

    Mag sein, dass das einmal anders gewesen ist, mag sein, dass manche Redaktionen ihren Job noch immer so verstehen. Doch im Jahr 2011 nach Christi Geburt sollte man mit derlei Vorstellungen getrost brechen. Denn auch dadurch macht sich Journalismus, ohnehin oft als aussterbendes Gewerbe bezeichnet, tatsächlich überflüssig.

    PR und Propaganda können die Hundertschaften von Spin Doktoren und professionellen Propagandisten im Umfeld des Bundestages viel besser erledigen. Dafür werden sie bezahlt.”

    Eine Diskussion darüber ist leider nicht erwünscht. Gut, dass es hier versucht wird. Aber leider wird die Breitband-Redaktion feststellen müssen, dass sich daran kein öffentlich-rechtlicher Sportredakteur beteiligen wird.

    Sollte es anders sein, wäre das natürlich besser. Vielleicht traut sich ja hier jemand, quasi im eigenen Haus. Glaube ich aber nicht. Auch darin liegt ein Problem des “Sportjournalismus” begründet: Mann/Frau stellen sich kaum einer öffentlichen Diskussion und meinen, im dritten Jahrtausend noch One-Way-Kommunikation betreiben zu können.

    Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, gebührenfinanziert, mögen Mann/Frau mit einem derartigen, nun ja, Journalismusverständnis, bis zur Rente durchkommen. Was nichts daran ändert, dass das zu wenig ist und sich Journalismus auf diese Weise noch schneller überflüssig macht.

    Der Rausschmiss von Jens beim DLF soll nicht Thema sein, wenn hier diskutiert werden soll, ob kritischer Sportjournalismus im ÖRR möglich ist?

    Tja, dann diskutiert das mal alleine.

    Erstaunlich erfreulich, dass Texte von JW auf den Seiten des DLF (noch) nicht entfernt wurden. Kommt die Putzkolonne erst später oder wartet man noch auf einen Anruf eines wichtigen Menschen?

    Leute, das kann doch nicht Euer Ernst sein. Das klingt ja total infantil. Ihr wollt über die Unabhängigkeit des Sportjournalismus diskutieren und den bisher immer noch nicht plausibel erklärten Rausschmiss von Jens Weinreich außen vor lassen? Dazu fällt mir nichts mehr ein.

    @ingeseibel,
    Rausschmiss? “Wenn Egos übern Rasen rasen..” http://www.taz.de/!99450/

Kommentieren