Privatsphäre = geistiges Eigentum = Absurd?

Frank Rieger und Christian Heller debattieren


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Wenn Sie einen Facebook-Account haben, sollten Sie den dringend schließen.

Das sagt kein geringerer als der Verbraucherzentrale Bundesverband – zu schlecht seien die Datenschutz-Standards des kalifornischen Riesen-Netzwerkes. Facebook steht auch unter Feuer der deutschen Verbraucherministerin Ilse Aigner. Auch die fordert, dass private Daten auf Facebook besser vor kommerziellen Anwendungen geschützt werden müssen.

Die meisten User scheint das jedoch kaum zu scheren – die Facebook-Zahlen wachsen weiterhin. Ist Privatsphäre für sie, für uns überhaupt noch relevant? Darüber haben wir vor der Sendung gesprochen mit Frank Rieger, Sprecher des Chaos-Computer Clubs und überzeugter Datenschützer – und mit dem jungen Publizisten Christian Heller, der jüngst mit einer steilen These aufgefallen ist:

Schutz von Privatsphäre sei ein ähnlich absurdes Konstrukt wie der Schutz von geistigem Eigentum.

Übersetzt: Privaten Statusmeldungen, private Fotos – sie sind allenfalls so schützenswert wie irgendwelche Musik oder Filme vor Raubkopierern.

Wir haben Christian Heller und Frank Rieger nach ihren Standpunkten zur Post Privacy Ära gefragt – und ob man Privatsphäre und geistiges Eigentum wirklich gleichsetzen kann.

Kommentare

    Wo soll man beginnen? Ist Christian Heller bewusst, dass unter dem Begriff geistiges Eigentum sowohl persönliche als auch gewerbliche Schutzrechte zusammengefasst sind (Namensnennung, Veröffentlichungsrecht etc. sowie Verwertung auf der anderen Seite)? Wenn er selber die CC-Lzenz nutzt, dann umfasst sie beide Seiten dieser Schutzrechte und er erkennt damit konkludent ihre Gültigkeit an. Tatsächlich aber ist der Vergleich des G.E. mit dem Datenschutz ein enorme Verwirrung der Sachverhalte. Denn ander als das G.E. und seine Schutzrechte wird beim Datenschutz der Mißbrauch der Daten über eine Person unter Strafe gestellt, die andere erheben. Es geht beim Datenschutz primär also nicht um den Schutz der Statusmeldung sondern um all das was andere über einen Sammeln. Aus der Geschichte ist klar, dass es sich hier zunächst um Bürgerrecht handelt, dass ihn gegenüber dem Staat schützt, der zunächst ein Monopol über große Datenmengen hatte (Volkszählung) und erst in der Folge wurde dies auch auf private Sammlungen übertragbar. Ob die informationelle Selbstbestimmung nun ein absurdes Konstrukt ist, ließe sich dann bestimmen, wenn es eindeutig erklärbar wäre, ob es absurd oder realistisch ist die gesamte Welt mathematisch zu formalisieren. Denn Daten sind letztlich Repräsentationen von Information, die in Variablen oder Parametern ihre Anwendung finden – also den synthetischen Modellen der Mathematik Gegebenes hinzufügen sollen. Aus der Semiiotik aber wissen wir, dass Daten nur potentielle Informationen sind. Erst die Deutung macht aus all den vielen Modellen überhaupt eine „neue“ Information. Da wir alle wissen, dass man jede Statistik, jedes Modell und jede Formel auf viele Weisen interpretiere kann, wenn man sie mit Daten gefüttert hat, kann niemand vorhersagen, wer mit welchen Methoden „nachweisen“ kann dass Person X ein negatives Attribut zugeordnet bekommt, die das Leben stört. Aus genau diesem Grund wurde der Datenschutz eingeführt. Aus genau diesem Grund wird er mit ELENA, SWIFT etc. und vielen anderen staatlichen Methoden ausgehöhlt. Es ist bezeichnet, dass aktuell nur Scheindebatten über Facebook und Google geführt werden, angesichts der Tatsache, dass die öffentlichen Datensammlungen deutlich mehr Gefahrenpotenzial haben.

    […] als Vorbereitung auf die Facebook-Diskussion der taz am Dienstag empfehlen. Es handelt sich um ein Gespräch im Rahmen der Sendung “Breitband” bei Dradio Kultur von Samstag: Ist Privatsphäre für überhaupt noch relevant? […]

    […] Breitband – Privatsphäre = geistiges Eigentum = Absurd?: Achja, so macht man laos heute Selbst-Marketing: quot;Ist Privatsphäre für sie, für uns überhaupt noch relevant? Darüber haben wir vor der Sendung gesprochen mit Frank Rieger, Sprecher des Chaos-Computer Clubs und überzeugter Datenschützer – und mit Christian Heller, der jüngst mit einer steilen These aufgefallen ist: Schutz von Privatsphäre sei ein ähnlich absurdes Konstrukt wie der Schutz von geistigem Eigentum.quot; Danah Boyd, übernehmen Sie bitte, ich bin derangiert… […]

    @wittkewitz
    YESSS.

    Habe mich schon häufig gefragt, warum Politiker gern von ‚informeller Selbstbestimmung‘ sprechen. So langsam begreif ich’s…

    […] Diskussion zwischen CCC-Sprecher Frank Rieger und Publizist Christian Heller über das Thema: “Ist Privatsphäre für uns überhaupt noch relevant?” […]

    […] als Vorbereitung auf die Facebook-Diskussion der taz am Dienstag empfehlen. Es handelt sich um ein Gespräch im Rahmen der Sendung “Breitband” bei Dradio Kultur von Samstag:” Ist Privatsphäre für überhaupt noch relevant? Darüber haben wir vor der […]

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