• 10. Mai 2012 18:05
  • Netzkultur, Sendung vom 12.05.2012
  • 2 Kommentare

Poetry Spam

Auch Junk ist Kunst


Popup | MP3-Download | Player einbinden

Die poetische Gattung führt ein Schattendasein. Dabei begegnen wir ihr fast täglich, wenn sie durch die Spamfilter rutscht. In der unterschätzten Kunstform des Poetry Spam geht es um Träume, Sehnsüchte, Wünsche und Ängste. Auch sprachlich ragt Spam heraus, etwa wenn Übersetzungsautomaten avantgardistische Sätze formen und sich Sex-Spam in lyrische Reime verwandelt. Es wird Zeit, dass sich die Wissenschaft endlich ernsthaft mit dieser Literaturform beschäftigt, finden die Spam-Aktivistinnen Carolin Buchheim und Inés Gutierréz.

Ihre erste „Poetry Spam“-Lesung auf der re:publica 2012 war der Publikumshit. Es gab Auszüge zum Beispiel aus dem fulminanten „Tittengewitter“ oder dem Spam „gottesfürchtige Babies zur Adoption“ zu hören. Natürlich hat das alles auch fast ganz ernste literaturtheoretische und psychologische Grundlagen. Über das hochwissenschaftliche Feld der Spamologie hat Anja Krieger mit den „Forscherinnen“ gesprochen.

Link: ZDF-Mediathek

Livespam auf der rp12 von asvensson / Alexander Svensson auf Flickr, CC-by

Kommentare

    Dass aus Ängsten und Bedürfnissen von Menschen auch Profit geschlagen wird – gerade auch mit mit Spams-Werbemails – ist klar. Aber sie jetzt(literatur)wissenschaftlich als „Poesie“ zu verklären und ihre „schützenswerte Schönheit“ zu beweihräuchern und gleichzeitig ihre eigentliche Funktion, nämlich Gewinnmaximierung völlig außen vor zu lassen, ist schon sehr ignorant. Was bitte klingt an den „geilsten Titten im Netz“ denn so poetisch? Die Wissenschaftlerinnen sollten sich doch lieber einmal fragen, was in unserer Gesellschaft nicht stimmt, dass noch minderjährige Mädchen sich bereits Brustvergrößerungen oder Schamlippenstraffungen wünschen. Das zu erforschen lässt sich natürlich nicht so publikumswirksam präsentieren auf Konferenzen wie etwa der re: publica. Sex sells and the show must go on… um welchen Preis auch immer, nicht wahr?!

    @Textaroma Danke fürs Kommentar. Das Ganze war natürlich ironisch gemeint, ganz so ernst nehmen es die beiden „Spam-Forscherinnen“ mit der Wissenschaft nicht. Offensichtlich ist der Beitrag zu ernst rübergekommen, nächstes Mal versuche ich das textlich/stimmlich deutlicher zu machen.

    Spam so aufs Korn zu nehmen, wie die vier das beim Poetry Spam auf der re:publica gemacht haben, zieht auch den teilweise sexistischen Inhalt dieser Mails mit ins Lächerliche, und das ist schon auch kritisch und hinterfragt, mit was wir Menschen da zum Zurückklicken, Geldüberweisen, Einkaufen manipuliert werden sollen.

Kommentieren