Musik mit (dem) Gesicht

Die Netzmusik am 29.10.2011


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Die Netzmusik begibt sich heute auf eine Forschungsreise. Wir stellen neuartige, elektronische Musikinstrumente vor, die ebenso neuartige Klänge fabrizieren. Wir klären, wie man dank spezieller Interfaces Musik mit dem Gesicht oder noch außergewöhnlicher: mit dem Gehirn machen kann. Los geht’s vergleichsweise harmlos mit dem interaktiven Tischinstrument Reactable. Es besteht aus kleinen Würfeln auf einem berührungsempfindlichen Tisch, die man durch Herumschieben zum Klingen bringen kann. Wir hören einen Ausschnitt der Live-Performance von dem Reactable-Erfinder, Marcos Alonso.

Carles López & Marcos Alonso – Reactable Performance

Nicht nur am Thema Internet, sondern auch in der Musik wird geforscht. An neuen Instrumenten zum Beispiel. Herausgekommen ist dabei u.a. ein Instrument, das eine Mischung aus Klavier und Theremin darstellt. Passenderweise heißt das ganze AirPiano. Stellen Sie sich ein Keyboard ohne Tasten vor, dass man mit Finger- und Handgesten in der Luft spielen kann. Die britische Sängerin Jo Hamilton ist die erste Künstlerin, die dieses Instrument in einem Song verwendet hat – der heißt “Alive” und stammt von ihrem 2011 erschienenen Album “Gown”.

Der US-Amerikaner Robert Moog war gelernter und studierter Physiker und Elektrotechniker und erfand in den 50er Jahren die später weltbekannten Moog-Syntesizer. Vor ein paar Tagen, über ein halbes Jahrhundert nach dem Original, veröffentlichte die von Robert Moog gegründete Firma Moog Music nun einen komplett virtuellen Synthesizer. … Und zwar als iPad-App.

Auch wenn es schwer zu glauben ist, aber die folgende Musik wurde auf einer Gitarre gespielt. Cinema von Skrillex Benassi, im höchsten Maße manipuliert mit der digitalen Gitarre von Misa Digital Instruments. Knapp 700 Euro kostet diese futurische Gitarre. Die hat keine Saiten, dafür aber jede Menge Knöpfe und zwar für jede Note, die man auf der Gitarre spielen kann einen. Im Korpus des Instruments ist zudem auch noch ein Touchscreen verbaut. Damit kann man Effekte ansteuern und manipulieren.

Und jetzt kommen wir zu einem besonderen Thema: Musikmachen mit dem Gesicht. Die Idee dazu hatte der US-Amerikaner Kyle McDonald. Und wie das funktioniert, erklärt er selbst, in einem Video, das er ins Netz gestellt hat sowie in einem Interview.

FaceOSC from Kyle McDonald on Vimeo.

Kyle McDonald hat also verschiede Open Source Programme miteinander kombiniert und so eine Software entwickelt, die per Webcam das Gesicht scannt und die Bewegungen in Steuersignale verwandelt. FaceOSC heißt das Programm. Das wiederum kann man mit einem Musikproduktionsprogramm kombinieren. Wie z.B. Reason… Wenn man dann die Augenbrauen anhebt, kann man einen Halleffekt erzeugen. Wenn man den Kopf neigt, sich dichter zur Kamera bewegt oder lächelt, ändert sich z.B. die Tonhöhe. Die Software “FaceOSC” sowie “OSCulator” kann man übrigens kostenlos aus dem Netz laden.

Ausprobiert hat es zum Beispiel der Youtube-User Lachenmeister – und gleich per Video festgehalten. Das Stück heißt Smile! Passend zum Kommentar des De:Bug Magazins. Die schreiben nämlich über die Software: Zitat: “Noch nicht ganz perfekt, aber man kann wenigstens versuchen, die perfekte Bassline zu ergrinsen”

Lachenmeister – Smile! Making Music with face / CC-BY

Noch außergewöhnlicher als Musik mit dem Gesicht: Musik mit und aus dem Gehirn machen. Der Norweger Mats Sivertsen benutzt dazu ein Brain-Computer-Interface, eine Art EEG-Messgerät. Das sieht aus wie eine Mischung aus Helm und Stirnband und wandelt mit einer speziellen Software Hirnwellen in Töne um. SubCONCH heißt das Kunst Projekt und es soll verschiedene emotionale Zustände musikalisch abbilden. Wenn Sivertsen an etwas aufregendes denkt, geht der Ton hoch, wenn er entspannt ist, geht der Ton wieder runter. So können Gefühle in Musik verwandelt werden.

Es folgt Musik von einem der interessantesten und kreativsten Sound-Tüftler unserer Zeit.Gerhard Trimpin. Trimpin lautet sein Künstlername. Er war einer der 6 Finalisten für den diesjährigen World Technology Award in der Kategorie Kunst. Das Markenzeichen des 60jährigen Künstlers sind Klangskultpuren wie diese hier: … Ein Klavier, das von mechanischen Fingern gespielt wird, gesteuert von einem Computer.

Trimpin – Ratatatatatt

Ratatatatatt heißt dieses Stück von Gerhard Trimpin, der für seine kreativen Klangskulpturen mit einer Nominierung bei den World Technology Awards belohnt wurde.

Zum Abschluss nochmal Musik von dem FaceOSC Erfinder Kyle McDonald. Der macht nämlich nicht nur Musik mit dem Gesicht, sondern auch noch ganz konventionell mit einer Kombination aus Kopf, Herz und Hand. The Perfect Human heißt das folgende Stück.

Kyle McDonald – The Perfect Human / CC-BY
The Perfect Human by Kyle McDonald

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