• 15. Januar 2011 14:01
  • Netzmusik, Sendung vom 15.01.2011

Myspace endgültig am Ende!?

Der einstige Social-Media-Platzhirsch steckt tief in der Krise


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Die Netzmusik schließt sich in der ersten halben Stunde an unser großes Wikipedia-Thema an und spielt passend dazu Musik von Netzmusikern, die als solche in Wikipedia gelistst sind, inklusive eines schönen „Wikipedia-Schlussmach-Songs“. Außerdem blicken wir mit einem Schulterzucken auf Mypsace. Der einstige Social-Media-Riese hatte in letzter Zeit mit Userschwund zu kämpfen und sieht sich nun gezwungen, weitere Stellen zu streichen.

Wiki in Klängen

Wir spielen Jonathan Coulton und seinen Song „Big bad world one“. Wie sind wir drauf gekommen? Die schlaue Wikipedia hat uns auf die Spur gebracht, denn Coulton ist als „Internet Musicician“ gelistet. Geboren 1970 ist Coulton, ist heute amerikanischer Sänger und Songschreiber, war aber mal Programmierer und selbst ernannter Geek – und genau über diese Geek-Kultur im Netz, also über Leute, die nix anderes mehr im Kopf haben als Digitales, singt er gerne Lieder, schreibt die Wikipedia. Ein Bild ist auch dabei – bärtig und langhaarig blickt uns da Coulton entgegen.

Molly Lewis singt mit „It all makes sense at the end“ einen Wikipedia-Schlussmachsong. Und sagt warum: „Es gab mal einen Wikipedia-Eintrag über mich, sagt Molly Lewis, der von Administratoren gelöscht wurde, weil ich angeblich nicht berühmt genug war. Ich habe mich dann entschieden meine ganze Wut in einen Song zu packen, in dem es ums Schlussmachen geht. Allerdings nicht mit einer Person, sondern mit Wikipedia“.

Dass wir aber wissen, dass Molly Lewis eine amerikanische Sängerin und Songschreiberin ist, die am liebsten die Ukulele mag – das liegt dann doch an Wikipedia. inzwischen hat sie einen Eintrag, ist also endlich relevant genug. Vielleicht dank des Schlussmach-Songs.

Bye Bye Myspace

Eine der Meldungen der vergangenen Tage: Game Over – die Deutschland-Filiale von Myspace wird geschlossen, 30 Mitarbeiter entlassen, weltweit sind es 500 Menschen, die in Zukunft nicht mehr für das Portal arbeiten werden. Eine ordentliche Entlassungswelle rollt beim einst größten sozialen Netzwerk seiner Art an – das endgültige Aus steht vor der Tür, so wird spekuliert. Woran liegts? An glitzernden Werbebannern, die sich über die Profile ausbreiteten, an einem unschönen Layout und an der Konkurrenz.

Wir hören Musik von 12rec.net, die am Anfang selbst bei Myspace waren aber irgendwann ausstiegen. Für Label-Macher Simon Bierwald war Myspace „immer nur MIttel zum Zweck, und notwendiges Übel“. Das Netlabel rec72 erschien erst gar nicht auf Myspace, wunderbare Musik veröffentichen beide.

Tja – und ohne Myspace? Wird sich die Welt weiterdrehen wie sie es jetzt auch schon tut? Eine der Nachfahren ist das Portal Bandcamp. Bandcamp bietet eine einfache übersichtliche Seite, man kann dort seine Musik einstellen, zum Unsonst-Herunterladen freigeben, aber auch verkaufen. Fast eine halbe Million Dollar haben Musiker in knapp einem Monat über Bandcamp verdient – damit wirbt die Seite. Auch großnamige Künstler sind dort zu finden. Sie haben sich entschieden, den Vertrieb ihrer Musik selbst in die Hand zu nehmen.

PLAYLIST vom 15.01.11:
Little Lion – Sounds From The Sea
MP3CCBANDCAMP
Jonathan Coultan – Big Bad World One
MP3CCWEBSITEWIKIPEDIA
Molly Lewis – It All Makes Sense At The End (Wikipedia Song)
MP3CCWEBSITEWIKIPEDIA
Giraffe – Eager. Too Eager
MP3CC12REC
Small Radio – Leaf Shaped Feelings / 7TH Gear Remix
MP3CCREC72
Aidan Knight – North East South West
MP3CCBANDCAMP
Pisu – Commodore
MP3CCBANDCAMPBARCELONASONORA