- 12. August 2010 13:08
- Digitale Kultur, Netzmusik, Sendung vom 14.08.2010
- 10 Kommentare
Musik-Inflation durch CC?
DAS DIGITAL LABEL AEROTONE WILL MEHR WERTSCHÄTZUNG FÜR KÜNSTLER
Die Creative Commons Musikszene lebt von der Aufmerksamkeitsökonomie. Durch das erlaubte Kopieren und Verteilen der Musik wächst die Reichweite der Künstler und Netlabels. Die gesteigerte Aufmerksamkeit, die sich in Downloadzahlen messen lässt, soll dem Künstler auch monetär zu Gute kommen – sei es in Form von Spenden, dem Verkauf von limitierten, physischen Tonträgern oder durch Liveauftritte, so die Theorie. Aber ist das wirklich so?
Die Dichte der Veröffentlichungen bei Netlabels ist enorm. Schnell wachsen die Datenberge der CC-Musikfans in den Gigabyte-Bereich. Wie oft und wie intensiv oder ob die kopierte Musik überhaupt gehört wird, bleibt unklar. Jan Sturm (O-Ton s.o.), Chef des Netlabels Aerotone, sieht einen Wertschätzungsverlust durch die massenhaften Downloads in der Netaudioszene. Trotz der positiven Kritiken über die Veröffentlichungen seines Labels, dem steigenden Bekanntsgrad und wachsender Downloadzahlen, hatte er den Eindruck, dass das Feedback und die Wertschätzung für die Arbeit seiner Künstler sank.
Die Konsequenz für Aerotone war eine Pause. Die Seite ging im Oktober 2009 offline, Fans wurden zum öffentlichen Brainstorming herangezogen, Pläne wurden geschmiedet und Zeit verstrich. Nach einer 10-monatigen Selbstfindungsphase soll nun der Relaunch kommen. Der kommt einem Komplett-Neustart nach einem Betriebssystemwechsel gleich: Die erste Veröffentlichung nach dem Wiedererwachen des Labels wird die Katalognummer 001 tragen, von CC-Lizenzen nimmt das Label Abstand, für Downloads soll in Zukunft bezahlt werden. Außerdem soll es limitierte Liebhaber-CDs geben.
Diese Entwicklung hin zur Professionalisierung lässt sich auch bei anderen Netlabels ablesen: Das Avantgarde-Hiphoplabel Error-Broadcast (Interview) bietet neben freien Downloads in Standardqualität auch hochqualitative Bezahldownloads und limitierte Vinyl-Pressungen. Das walisische Netlabel Sereinänderte ebenfalls seine Strategie und verlangt Geld für die ehemals kostenlose Musik.
Ist die Professionalisierung und damit zusammenhängende Kommerzialisierung der Netlabelszene ein Weg in die Zukunft? Darüber sprechen wir in der Breitband-Netzmusik.
Foto: CC flickr/dan taylor
Ähnliche Themen:
Kommentare
EDIT: beitreten (einer verwertungsgesellschaft)
Hier stand ein Kommentar von Christian Grasse, der leider dem Datenbank-Unglück zum Opfer gefallen ist.
@Christian mit “unreflektiert” meinte ich, dass auch in dem kommentar von dir (“ausführlicher besprochen”) nicht deutlich wird, dass die GEMA das problem ist.
man gewinnt beim hören den eindruck, Creative Commons würde GEMA-künstlern den zutritt verwehren – aber das gegenteil ist der fall.
schade, dass Jan das so darstellt.
:(
und zum glück hat Julia [Entertainmentforthebraindead] auch auf dem schönen aaahh-records netlabel :) ihr album damals parallel veröffentlicht – sonst wäre es jetzt weg wie manch anderes…
vgl.
http://aerotone.300l600.de/index.php?releases
+
http://www.archive.org/details/aerotone
:(
aus dem “berechtigungsvertrag” den der Künstler mit der GEMA eingeht:
“§2 Soweit der Berechtigte über die Rechte gegenwärtig nicht verfügen kann, überträgt er sie für den Fall, dass ihm die Verfügungsbefugnis wieder zufällt. Die Übertragung umfasst die vorgenannten Rechte auch insoweit, als der Berechtigte sie durch Rechtsnachfolge erlangt oder erlangt hat.”
d.h. über CC-lizensierte Werke kann die GEMA nicht verfügen…
und da CC-lizenzen “zeitlich (für die Dauer des Schutzrechts am Schutzgegenstand) unbeschränkt” vergeben werden, bleiben die Werke CC bis das gesetzlich verbriefte Urheberrecht abläuft und die Werke gemeinfrei werden (public domain).
einmal CC, immer CC
:)
Hey zusammen,
ok das kam offenbar falsch an. Was ich zum Ausdruck bringen möchte, das es nicht möglich ist z.B. Gema Artists unter cc zu releasen. Das sollte nicht als Fehler oder Schuld der cc gemeint sein. Klarer wäre wohl “…eine Beschränkung auf creative commons verbietet mir das…” releasen von VG Künstlern.
lg
Jan
@Jan
ich wäre mir da nicht so sicher, ob dass so stimmt.
§5 des “berechtigungsvertrages besagt lediglich:
“Für Werke, die der Berechtigte nicht ordnungsgemäß anmeldet, verliert er gegenüber der GEMA den Anspruch auf Verrechnung bis zur ordnungsgemäßen Anmeldung.”
dh. wird ein Werk nicht bei der GEMA gemeldet, gibt’s kein geld – sonst nix…
vielleicht kann da ein spezialisierter anwalt eindeutig auskunft geben?
Hör mir gerade die zugehörige Breitbandsendung an… für mich ist die Frage immer noch ungeklärt (verbietet die GEMA oder verbietet die GEMA nicht CC-Lizensierung?), bei meinem Artikel, den ja auch Martin kommentiert und ähnlich wie hier argumentiert hat, wird jedenfalls das nicht ausgeschlossen. Nichts genaues weiß ich nicht. Wäre super, wenn sich dem Thema Breitband annehmen könnte, würde mich sehr freuen.
Christian, bist du zufällig (evtl. auch in Sachen Breitband) auf der a2n? Ich hab heute gesehen, dass der erste Tag da einige zu CC & Verwertungsgesellschaften bringt, ich denke mal, das werde ich mir mal ansehn.
Jan: bin sehr gespannt… :)
Ausdrücklich verbietet die GEMA eigene Lizenzen der Künstler nicht, wohl aber faktisch:
Die GEMA verlangt ausschließliche Einräumung der Nutzungsrechte eines Künstlers (nicht nur zu einem Titel, sondern zu allen) an sich, wenn man Mitglied werden will. Dadurch wird eine CC-Lizenzierung durch den Künstler selbst faktisch / rechtlich unmöglich.






“…creative commons verbietet mir das…”
ich finde es schwierig, dass diese darstellung völlig unreflektiert von breitband übernommen wurde.
schade.
korrekt ist: die GEMA verbietet dir (Jan Sturm/aerotone) das.
creative commons verbietet dir gar nichts dergleichen – du kannst als musiker/künstler auch einer verwertungsgesellschaft, WENN diese akzeptiert dass du bereits unter CC veröffentlicht hast.
falls du schon bei der GEMA gemeldet bist und dann unter CC veröffentlichen willst, verbietet dir das die GEMA, nicht CC!
auch schade, dass viele der schönen releases jetzt weg sind. einige sind ja noch aufarchive.org zu finden. einige sehr schöne allerdings nicht…
:(