• 15. Januar 2011 15:01
  • Digitale Kultur, Portrait, Sendung vom 15.01.2011
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Hinter den Kulissen von Wikipedia

Wikipedia-Administrator David Ludwig im Porträt


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Weit über eine Million Artikel gibt es derzeit in der deutschsprachigen Wikipedia. Täglich werden tausende davon bearbeitet. Oft gibt es auch Streit, was Form und Inhalt der Beiträge angeht. Vorallem bei Weltanschauungen oder politischen Themen entfernen Nutzer Passagen oder verändern Inhalte, die der eigenen Überzeugung widersprechen. Wieder und wieder. Edit-War nennt man diese öffentlichen Auseinandersetzungen innerhalb der Wikipedia. Unter anderem deswegen gibt es so eine Art Aufpasser für die Mitmach-Enzyklopädie. Den Administrator.

David Ludwig ist Wissenschaftshistoriker und Philosoph am Berliner Helmholtz Zentrum für Kulturtechnik und nebenbei einer von knapp 300 ehrenamtlichen Hütern der Deutschen Wikipedia. Christian Grasse hat ihn getroffen.

Ludwig wünscht sich mehr Administratoren. Er und seine ehrenamtlichen Kollegen sollen schließlich die Qualität des Online-Lexikons sichern. Bei rund 10000 Seitenbearbeitungen, die pro Tag anfallen, scheint diese Aufgabe fast unmöglich. An freien Tagen oder neben dem Wissenschaftsbetrieb am Berliner Helmholtz-Zentrum nimmt sich der 27jährige Berliner Zeit für sein ehrenamtliches Engagement. Er beobachtet eine Liste von speziellen Philosophiebeiträgen. Werden inhaltlich falsche Änderungen vorgenommen, korrigiert er diese. Nutzer, die hartnäckig Falschinformationen verbreiten, kann er sperren. Auch Artikel, die formal oder inhaltlich nicht den Regeln der Wikipedia entsprechen, kann er in seiner Rolle als Administrator entfernen. So ein Löschkandidat wird im Zweifelsfall jedoch immer öffentlich mit den Nutzern diskutiert.

Trotz der verhältnismäßig strengen Kriterien der deutschen Wikipedia, sind es heute fast 1,2 Millionen Artikel, die für Jedermann frei zugänglich im Netz stehen. Und das ist – Streit hin oder her – eine beachtliche und erfreuliche Zahl, sagt David Ludwig. Für die Zukunft wünscht er sich deshalb nicht nur eine weiter wachsende Wikipedia, sondern grundsätzlich mehr Quellen für freies Wissen im Netz. Denn die Wikipedia könne nicht alles auf einmal sein. “Sie kann nicht gleichzeitig eine wissenschaftliche Fach-Enzyklopädie und eine Sammlung von allem netzkulturellen Wissen sein.”, betont der Philosoph. Außerdem hoffe er auf mehr frei zugängliche Enzyklopädien in der Zukunft. “Ich denke es wäre von großem Vorteil, wenn wir eine Form von Pluralität von freiem enzyklopädischem Wissen im Internet erreichen würden.”

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