• 14. Juni 2012 22:06
  • Sendung vom 16.06.2012, Topic
  • 5 Kommentare

Gutes Tracking, böses Tracking

Der schmale Grat zwischen Innovation und Datenschutz

flickr cc by-nc-sa_mikoosij
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„Na meine Kleine, hier hast Du einen Keks!“ – dass man von fremden Menschen keine Süßigkeiten annehmen soll, lernen Kinder von klein auf. Dass auch die im Internet verteilten Cookies nur namentlich von unschuldiger Süße sind, sollte inzwischen ebenfalls zum allgemeinen Bildungskanon gehören. Diese klebrigen Textdateien heften sich an vorbeisurfende Browser – und spalten von hier an die Gemüter. Sie sind hilfreich, etwa weil der Computer beim erneuten Besuch einer Website wiedererkannt wird und diese schneller laden kann, aber auch für den Blogger, der durch Visitor-Tracking herausfinden kann, wer wie lange was auf seiner Seite angeschaut hat, oder für das passgenaue Einblenden von Werbung.

Und sie sind umstritten, zum Beispiel weil sich mit ihrer Hilfe ziemlich exakte Daten über das Surfverhalten des Users sammeln lassen. Und zwar nicht nur von Webseiten, die direkt besucht worden sind, sondern auch von Dritten. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist Facebook: Ist es dem Sozialen Netzwerk erstmal gelungen, seinen Cookie im fremden Browser einzunisten, liest es fleißig Daten aus. Auch bei denen, die nicht einmal einen Facebook-Account haben.

Gegen dieses Tracking durch Dritte, sei es durch Analyse-Dienste, Werbungs-Vermarkter oder soziale Medien, will das Projekt der Stanford-University “Do not track” Abhilfe schaffen: durch ein einziges, simples Opt-out-Verfahren, dass dann für alle datensammelwütigen Dritt-Seiten gilt.

Die EU hält die Möglichkeit, sich durch Opt-out vor Cookies zu schützen, für den falschen Ansatz: Viel mehr sollten die User grundsätzlich darüber entscheiden dürfen, ob ein Cookie überhaupt gesetzt werden darf. Ein Opt-in-Verfahren also. Eine entsprechende Richtlinie von 2009 hätte eigentlich bereits im letzten Jahr in Deutschland umgesetzt werden sollen.

Und in den USA wird derzeit ganz grundsätzlich diskutiert, ob das Tracking nicht gesetzwidrig ist. Sollte dies der Fall sein, droht eine Klageflut – die Facebook letztlich teuer zu stehen kommen könnte. Aber nicht nur das: Auch die „Innovation für das Netz von morgen“ könnte auf der Strecke bleiben, schreibt Antonio Regalado in der Technologie Review.

Wo hört Innovation auf und wo fängt der Verbraucherschutz an? Darüber sprechen wir mit dem Technik-Journalisten Falk Lüke und Stephan Noller, Geschäftsführer eines Unternehmens für Online-Marketing.

 

Weiterführende Links:

Das World Wide Web Consortium W3C zu Do Not Track [6. Juni 2012]

Rückschlag für “Do Not Track”: Microsofts Internet Explorer 10 schaltet Anti-Tracking-Funktion standardmäßig aus

 

 

 

Foto: flickr cc by-nc-sa/mikoosij

 

Kommentare

    “Do not track” an ausspionierende Unternehmen mitzusenden ist wie ein Hinweisschild “Bitte nicht gucken” gegen Spanner.

    Wo mensch diesen nicht vertrauen kann, ist Selbstdatenschutz nach DIY-Prinzip nötig:

    Also mittels geeigneter Tools bereits das Abrufen der von den großen Datensammlern auch zum Tracking vorgesehenen Seitenteile (z.B. Facebooks “Gefällt mir”-Button) zu blockieren, statt zu glauben solche Unternehmen würden den mit “do not track” ausgedrückten Wunsch respektieren, nicht zu speichern, welche Websites und einzelne Artikel mensch besucht.

    Hier angesprochen aber vielen noch unklar ist auch die Tatsache, daß die Datensammler auch Seitenabrufe außerhalb von Facebook, Twitter, Google+ und co mitbekommen und speichern, weil die jeweiligen Buttons meist direkt von den Datensammelunternehmen geladen werden – inklusive Hinweis, auf welcher Seite mensch sich gerade befindet.

    So sollten auch WebsitebetreiberInnen, die auch ihre ungeschützten NutzerInnen nicht ausliefern wollen, verantwortlicher mit (oft unbewusst) geschlagenen Datenlecks (sei es das Amazon-Partnerprogramm, Flattr, Twitter- und Facebookbuttons usw.) umgehen und solche Dinge datenschutzfreundlicher einbinden, wie es z.B. mit der Lösung “2 Klicks für mehr Datenschutz” von Heise möglich ist.

    [...] vom 16.06.2012 Dem Thema Tracking kann man sich ja auf verschiedenste Weise nähern: Technisch, politisch und natürlich auch [...]

    Erschrecekend wie falsch das Cookie-Tracking anhand des Supermarktbeispiels dargestellt wird. Stimmt einfach so nicht. Kein Wunder, dass das diffuse Ängste nach sich zieht.

    @Jason was meinst du genau, inwieweit haut die Analogie mit dem Supermarkt aus deiner Sicht nicht hin?

    [...] Das ist erstmal nichts schlimmes, denn auch der Warenkorb oder Merkzettel deines Lieblings-Webshops wird meist mit Hilfe von Cookies realisiert, denn es ist hilfreich, wenn der Webshop sich merken kann, was du gerne kaufen möchtest. Allerdings wird dieselbe Technologie auch für das weiter oben beschriebene Tracking benutzt, der Aufzeichnung und Speicherung deines Nutzerverhaltens auf einer oder eben auch mehreren Webseiten hinweg. Einen sehr knappen, aber informativen Überblick über positives und negatives Anwenden von Tracking ist im Podcast der Breitband-Sendung (läuft auf Deutschlandradio Kultur) nachzuhören: “Gutes Tracking, böses Tracking:” [...]

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