- 28. April 2012 12:04
- Sendung vom 28.04.2012, Topic
- 8 Kommentare
- Tweet
Geistiges Eigentum in Zeiten der 3D-Drucker
Ist die Urheberrechtsdebatte nur ein Vorgeschmack?
Diese Woche fand der “Welttag des geistigen Eigentums” statt. Die Verbände DIHK, BDI, der Markenverband und der Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie luden dazu ins Haus der Wirtschaft in Berlin. Auf der anderen Seite prophezeien Analysten, dass 3D-Drucker bald zum Massenprodukt werden.
Mit dem 3D-Drucker im Wohnzimmer verwandelt sich das so genannte “geistige Eigentum” in echten, greifbaren Besitz. Werden heute über Filesharing-Portale Filme, Musik und Software geteilt, könnten es in den nächsten Jahren Figuren, Tassen oder sogar Autos sein, beziehungsweise deren Modellvorlagen. Die Betreiber von Pirate Bay gehen davon aus, dass Nutzer in der nahen Zukunft schon Ersatzteile für ihr Auto drucken. In 20 Jahren würden User bereits Sneakers downloaden und irgendwann auch Lebensmittel.
Die Idee ist keineswegs neu. Es existieren bereits mehrere Portale, über die Nutzer ihre eigenen 3D-Modelldateien hochladen und andere downloaden können. Dazu zählen etwa Thingiverse, Shapeways und Google Warehouse. Könnte es möglich sein, dass bald Abmahnanwälte nicht nur gegen Musik-Filesharer vorgehen, sondern auch gegen User, die 3D-Druckvorlagen ihrer Markenschuhe oder einer iPhone-Hülle teilen?
In der Industrie werden 3D-Drucker schon seit längerem eingesetzt. Auch für Zuhause gibt es schon einige Open-Source-Geräte, die immaterielle, digitale Designs per Knopfdruck in die Kohlenstoffwelt überführen. Der große Durchbruch der Technologie auf dem Massenmarkt blieb bisher aus. In diesem Jahr soll sich das ändern. Weltweit entstehen kleine Unternehmen, die ihre 3D-Drucker-Modelle im Crowdfunding-Prinzip an die bastelwillige Masse bringen wollen. Eine Verbreitung der Technologie könnte die Industrie und Produktion, sogar die Wirtschaft wie wir sie kennen, komplett verändern. Die Urheberrechtsdebatten der vergangenen Jahre wirken bei dieser Aussicht fast wie eine unterhaltsame Kurzgeschichte.
Thomas Reintjes stellt die neue 3D-Welt vor. Ob die neuen Drucker die klassischen Geschäftsmodelle der Hersteller tatsächlich bedrohen könnten und die Utopie einer materiellen Allmende verwirklichen, diskutieren wir mit Silke Helfrich vom Commonsblog, Rüdiger Stihl vom Arbeitskreis der deutschen Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie und Nick Pingston von Cloudfab.
Im Player oben gibt es den Podcast zu Rechten und 3D-Drucker, mit Rüdiger Stihl und Nick Pingston.
Auf dem Weg in eine Commons-Gesellschaft, das Gespräch mit Silke Helfrich:
Foto: Botfarm von makerbot auf Flickr, CC-by
Kommentare
[...] war schneller als ich und hat die gestrige DLF-Kultur Sendung Breitband zu “Geistigem Eigentum in Zeiten der 3-D Drucker” schon gepostet. In der Industrie werden 3D-Drucker schon seit längerem eingesetzt. Auch [...]
[...] Auf Deutschlandradio Kultur gibt es einen netten Beitrag zum 3D-Druck und dessen Probleme in Hinsicht auf Uhrheber- und Patentrecht. Mit dem 3D-Drucker im Wohnzimmer verwandelt sich das so genannte “geistige Eigentum” in echten, greifbaren Besitz. Werden heute über Filesharing-Portale Filme, Musik und Software geteilt, könnten es in den nächsten Jahren Figuren, Tassen oder sogar Autos sein, beziehungsweise deren Modellvorlagen. Die Betreiber von Pirate Bay gehen davon aus, dass Nutzer in der nahen Zukunft schon Ersatzteile für ihr Auto drucken. In 20 Jahren würden User bereits Sneakers downloaden und irgendwann auch Lebensmittel. [...]
[...] Breitband: “Diese Woche fand der “Welttag des geistigen Eigentums” statt. Die Verbände DIHK, BDI, de… [...]
Der 3D-Drucker-Beitrag war zwar ein schönes Gedankenspiel zur Erweiterung der Urheberrechtsdebatte, überhöht aber die technologische und kulturelle Bedeutung dieser Fertigungsverfahren. Schon von der Material- und Oberflächenqualität werden die 3D-Drucker noch lange Zeit Objekte ausgeben mit dem Charme eines grobgepixelten Fotos auf Kopierpapier.
Davon ungeachtet, steckt in der Bedeutungsüberhohung dieser Technik der Irrglaube, dass ein Designer ein Formgestalter ist (der sich eigentlich über die unendlichen Möglichkeiten des 3D-Druckens freuen müsste). Die Aufgabe im Produktdesign besteht hingegen vornehmlich in der Komposition von Materialien und Fertigungsverfahren und dem Geschichtenerzählen durch die seriell hergestellten Produkte. Alle industriell oder handwerklich gefertigte Produkte erzählen mehr oder weniger originell von ihrer Herkunft. Die Form einer Kunststoff-Gießkanne unterwirft sich trotz vieler Freiheiten den Zwängen des Spritzgusswerkzeuges (Entformbarkeit, Nähte, Angussstellen). Ein Uhrengehäuse wird interessant durch die Oberflächenbearbeitungen des Rohlings (Schleifen, Polieren, Gravieren …) Das Material und die Fertigung machen Produkte sexy und begehrenswert. Die Geschichte des Objektes bringt den Wert (aus sich selbst oder durch Aufladung durch das Marketing). Nichts befriedigt besser als “das Original”.
Die Objekte der 3D-Drucker (mögen sie noch so gute Materialimitationen liefern) sind demgegenüber Pornografie. Alles Denkbare ist immer verfügbar. Die Formen haben keine Grenzen und verlieren den korrektiven Anker eines Fertigungsverfahrens. Wodurch soll ein 3D-gedrucktes Produkt begehrenswert sein? Welche Geschichte kann es erzählen?
Da müssen die Dinge künstlich mit Bedeutungen aufgeladen werden, und eine Vase hat dann mal die Form der Luftverwirbelung eines Nießers.
Sicher im Bereich der generativen Gestaltung wird man Nochniegesehenes hervor bringen. Doch wielange hält die Begeisterung dafür an? Im Grafikdesign hat mittlerweile schon eine Übersättigung durch die generativen Infografiken eingesetzt. Irgendwie sehn diese schon toll aus, keiner versteht aber die dargestellten Inhalte so richtig, nee, dann doch lieber einfach und verständlich!
3D-Skulpturen werden sicher auch in Zukunft mehr Freunde finden, wenn diese aus einem Marmorblock gefräst werden, als dass sie zuhause mit Metallpulver gesinnter werden. Ich würde behaupten, dass die neuen Technologien die serielle Produktion in ihrem Ansehen und der Wertschätzung steigert. Die industrielle Produktion wird dann angesehen, wie heute die Manufaktur.
Das größte Problem des 3D-Druckes wird mal wieder der Mensch sein und dessen Unfähigkeit sich etwas zu wünschen. Wenn man sich alles erdenkliche ausdrucken kann, was wäre das: eine Tasse und ein Radiostudio, so so?! Homo sapiens weiß nicht was er will! Er will überrascht werden!
Wen es interessiert, ich meine diese Vase:
http://www.dailyimpulse.de/products/decoration/airborne-snotty-vase-von-marcel-wanders/
[...] – Geistiges Eigentum in Zeiten der 3D-Drucker – Ist die Urheberrechtsdebatte nur ein Vorgeschmac… [...]
. ich bin in jedem Fall gespannt was die zukunft diesbzüglich so bringt, gerade für kleine Reperaturen im Haushalt finde ich das Prinzip ziemlich genial, hier einen Griff vom Schrank repariert und dort einen abgebrochenen Lampenschalter erneuert – die Anwendungsbereiche sind vielfältig.







[...] auf Deutschlandradio Kultur hat gestern über “Geistiges Eigentum in Zeiten der 3D-Drucker – Ist die Urheberrechtsdebatte nur ein Vorg… berichtet. In der Industrie werden 3D-Drucker schon seit längerem eingesetzt. Auch für Zuhause [...]