• 29. Juni 2012 15:06
  • Sendung vom 30.06.2012, Sendungsüberblick
  • 3 Kommentare

Kabellose Störer und digitale Verteiler

Störerhaftung, Freifunker und die Wissensgesellschaft


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Unsere Breitband-Sendestunde ist auch diesmal wieder prall mit Medien und digitaler Kultur gefüllt: Wir klären wie sehr die Störerhaftung das Netz stört und Freifunker an einer Entstörung arbeiten, wie die digitale Kultur des Teilens aussieht und warum sportliche Siege oder Niederlagen im Netz so spannend sind.

Störerhaftung vs. freie Netze
> Die Rolle offener Netze für eine funktionierende Wissensgesellschaft
Kein Kampf gegen Windmühlen
> Freifunker schaffen offene Netze über unseren Dächern
Teilen und Teilen lassen
> Philippe Aigrains „Sharing: Culture and the Economy in the Internet Age“
Social Media #EM2012
> Die Fußball Europameisterschaft und das Netz
Medien und Meinungen
> Netznutzung in Deutschland und New York Times in China
Netzmusik von onehandedmusic.com
> Indie, aber kein Netlabel und vor allem kein Dogma


Störerhaftung vs. freie Netze
Die Rolle offener Netze für eine funktionierende Wissensgesellschaft
Foto: CC-BY Flickr/g7ahn
Foto: CC-BY Flickr/g7ahn

Hörbeitrag zum Thema Störerhaftung vs. freie Netze

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Seit Jahren wird Besitzern eines WLAN-Routers empfohlen, das Funknetz mit einem Passwort zu schützen und den kabellosen Datenverkehr zu verschlüsseln. Dabei könnten die vielen WLANs eine beinahe flächendeckende, kostenlose Internetversorgung garantieren. Von der Idee eines offenen Kollektiv-Netzes sind wir allerdings weit entfernt. Grund dafür ist u.a. der juristische Begriff der Störerhaftung, der WLAN-Betreiber für das haftbar macht, was innerhalb des eigenen Funknetzes geschieht. Wir sprechen mit Wolfgang Kleinwächter, Professor am Department for Media and Information Sciences der Universität Aarhus und thematisieren die Rolle offener Netze als Voraussetzung für eine funktionierende Wissensgesellschaft.

Wolfgang Kleinwächter im Interview:

Gerade das offene Internet ist im Grunde genommen die Quelle dafür, dass wir so einen dramatischen Internetboom erlebt haben, mit einem nicht vorstellbaren ökonomischen Wachstum und mit der Fähigkeit, dass bald vier oder fünf Milliarden Menschen online sein können. […] Diese so genannte Innovation ohne Genehmigung – Innovation without permission – hat das möglich gemacht. Die Offenheit ist ein wichtiger Wert im Internet, der zu beschützen ist.


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Weiterführende Links:
Wireless für alle – Interview mit Holger Bleich (DRadio Wissen)
„Unterlassungsansprüche im Internet“: Buch von Alexander Hartmann
„Grenzen der Internetfreiheit“: Paper von Wolfgang Kleinwächter


Kein Kampf gegen Windmühlen
Freifunker schaffen offene Netze über unseren Dächern

Foto: Freifunk Initiative

Hörbeitrag zum Thema Freifunker über den Dächern Berlins

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Während Rechtsexperten noch debattieren und Kritiker kritisieren, erobern engagierte Webaktivisten die Dächer unserer Städte und installieren Netzzugänge für Jedermann. Und das bereits seit Jahren. Unser Reporter Tim Wiese ist losgezogen und hat sich in Berlin angeschaut, mit welchen Tricks die Freifunker versuchen, technische und juristische Hürden im Kampf für ein freies Netz zu meistern. (Manuskript des Beitrags)

Weiterführende Links:
Interview mit Freifunker Jürgen Neumann (taz)
Freifunk-Freedom-Fighter-Box gegen Störerhaftung (netzpolitik)
Freifunker verbinden Afrika mit Mesh-Netzwerken (Breitband)


Teilen und Teilen lassen
Philippe Aigrains „Sharing: Culture and the Economy in the Internet Age“

Foto: Screenshot www.sharing-thebook.com

Hörbeitrag zum Buch „Sharing: Culture and the Economy in the Internet Age“

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Teilen lässt sich nicht nur das Internet bzw. der Zugang zum Netz, sondern natürlich auch die darin befindlichen Inhalte. Bücher zum Beispiel. Philippe Aigrain tut das. Er teilt allerdings nicht nur seine Bücher, sondern schreibt auch darüber. Christian Möller hat Aigrains aktuelles Buch „Sharing: Culture and the Economy in the Internet Age“ gelesen und erzählt uns, was von dem Werk des hochengagierten Netzaktivisten und Bürgerrechtler zu halten ist.

Weiterführende Links:
Philippe Aigrains „Sharing“-Buch als Download unter CC-Lizenz
Sharing-Vorlesung von Philippe Aigrain als Podcast (Uni Konstanz)
Dirk von Gehlens Buch “Mashup – Lob der Kopie” (Breitband)


Social Media #EM2012
Die Fußball Europameisterschaft und das Netz

Foto: CC-BY Flickr/eamoncurry123

Hörbeitrag über die Social Media EM 2012

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Und nochmal geht’s ums Teilen. Nach der Niederlage im EM-Halbfinale teilt Fußballdeutschland seine Enttäuschung – und dafür muss natürlich auch das Netz herhalten. Das hat schließlich auch längst den Fußball erobert: Selbst Oliver Kahn twittert und lag mit seinem ersten Tweet nicht nur inhaltlich daneben. Was sonst noch geschah bei der Social Media EM 2012 erzählt unser Kollege Matthias Finger.

Weiterführende Links:
Satte Gewinne durch Fußballwetten im Netz (WiWo)
Oliver Kahns erster Tweet und seine Geschichte als Transkript (Zeit)
Kleines Schmankerl für Mem-Freunde: gotbalotelled.tumblr.com


Medien und Meinungen
Netznutzung in Deutschland und New York Times in China

Foto: Screenshot http://www.jasondavies.com/wordcloud

Hörbeitrag zum Thema Netznutzung in Deutschland, New York Times in China, Stiftung Datenschutz

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Unsere Kollegin Julia Eikmann hat sich eine neue Studie zur Internetnutzung in Deutschland (PDF) angeschaut. Ihr Fazit: Stagnation macht sich im Deutschen Internet breit. Gerade mal um 0,9 Prozentpunkte ist die Zahl der Internetnutzer in Deutschland seit dem letzten Jahr noch gestiegen. – Neuigkeiten kommen auch aus China und New York: Die NYTimes hat ihre Online-Ausgabe auf Chinesisch frei geschaltet. Etwa 30 Mitarbeiter in Peking, Shanghai und Hong Kong wollen mit den journalistischen Standards des Mutterhauses arbeiten. – Und noch einmal zurück nach Deutschland: Der Bundestag hat beschlossen, eine Stiftung für Datenschutz ins Leben zu rufen.

DOWNLOAD MANUSKRIPT (HTML)

Die Zugabe:
Stiftung Datenschutz – Zahnloser Tiger (Netzpolitik)
Bayern bildet Cybercops aus (Heise)
E-Mail-Konten veranschaulichen Migrationsströme (Heise)


Netzmusik von onehandedmusic.com
Indie, aber kein Netlabel. Und vor allem kein Dogma

Hörbeitrag zum Thema One-Handed Music

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Die Musik darf in dieser Sendung natürlich nicht fehlen. Martin Risel ist den Klängen von One-Handed Music verfallen – ein kleines Londoner Label, das den Trend widerspiegelt, nicht mehr klar zwischem herkömmlichen Tonträger- und rein digitalen Veröffentlichungen zu unterscheiden. Indie, aber kein Netlabel und kein Dogma. OHM wurde vor fünf Jahren gegründet, zunächst als Label für den gefragten britischen Beat-Produzenten Paul White. Inzwischen hat man eine ganze Reihe von Musikern aus den Bereichen HipHop, Dance, Soul und Jazz um sich geschart.

Netzmusik-Playlist:
1. Blossom Dearie – I’m hip
2. Old & New Dreams (Don Cherry) – Guinea
3. The Unknown Cases – Masimbabele 89 (The Adrian Sherwood Remix)
4. Blossom Dearie – Blossom’s blues
5. Blossom Dearie – Rhode Island is famous for you
6. Don Cherry/Bengt Berger – Tongsi

Moderation: Vera Linß und Martin Risel
Redaktion: Nicolas Hansen
Web: Christian Grasse

Foto (oben) CC-BY Flickr/Robert Agthe

Kommentare

    […] Störerhaftung vs. freie Netze Die Rolle offener Netze für eine funktionierende Wissensgesellschaft […]

    […] Was ich bewundere, ist Energie und Einsatz, mit denen einige Menschen ihre Ideen verfolgen. Es trifft sich, dass ich als Journalist immer wieder solchen spannenden Persönlichkeiten begegnen kann. In dieser Woche habe ich Freifunker aus Berlin getroffen. Professor Rüdiger Weis aus Berlin zum Beispiel, der auch als Besucher auf einem Rockfestival nicht auffallen würde. Mehr Punk als Professor klettert er mit mir in seinem Schlabbershirt und seiner ausgewaschenen Jeans auf das Dach der Berliner Beuth Hochschule. Dort zeigt er mir stolz, eine selbstgebaute Senderkonstruktion und schwärmt, was für tolle Antennen sich aus Würstchendosen errichten lassen. Gemeinsam mit dem Berliner Piraten und Systemadministrator Alexander Morlang bastelt er am Berliner Freifunknetz. Eine unabhängige Alternative zum großen Internet. Die beiden sind Teil einer mittlerweile recht großen Community. Zur ihr gehört auch Elektra Wagenrad. Eine Pionierin der Szene, die ich in einer Wagen- und Hängerburg in Friedrichshain treffe. Hier lebt die Programmiererin, deren dunkle Stimme ahnen lässt, dass sie mir eine beeindruckende Lebensgeschichte erzählen könnte. Mir berichtet sie mit Leidenschaft von ihrer Idee, allen Menschen kostenlos den Zugang zum Netz zu ermöglichen. Wieder einmal fühle ich mich bestätigt, denn wegen solcher Begegnungen liebe ich meinen Beruf. Die Reportage gibt es hier. […]

    […] Thema, mit dem wir uns schon länger hier bei Breitband beschäftigen, ist die umstrittene Störerhaftung bei offenen WLANs in Deutschland. Ein Gutachten […]

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