- 15. September 2012 13:09
- Sendung vom 15.09.2012, Topic
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Suchmaschinen sind die Türsteherinnen des Web
Was darf Google und was nicht? Diese Frage geistert – mal wieder – durch die Schlagzeilen, nachdem Ex-First Lady Bettina Wulff den Suchmaschinenkonzern verklagt hat. Sie ist nicht die erste, die gegen Google vorgegangen ist, weil dort Suchanfragen automatisch vervollständigt werden. Anlass für uns, ganz grundsätzlich zu fragen: Welchen Einfluss haben Suchmaschinen auf die Meinungsbildung in unserer Gesellschaft, wie steht es um ihre Transparenz und sollten sie reguliert werden vergleichbar etwa mit klassischen Medien?
Wie funktioniert eigentlich die Suche bei Google? Was wird nach welchen Kriterien gelistet? Und wie neutral, wie objektiv kann Google dabei eigentlich sein? Patrick Wellinski erklärt die Funktionsweise von Suchmaschinen. Mit Joris van Hoboken sprechen wir über die Geheimnisse und Bedeutsamkeit von Suchmaschinen.
Außerdem suchen wir nach Alternativen zu Google und stellen YaCy vor, ein Graswurzel-Suchprogramm, bei dem die Nutzer selbst zu Betreibern werden. Anja Krieger hat die Suchmaschine zum Mitmachen ausprobiert. Dort schließen sich Nutzer zu einem Netzwerk aus Suchenden zusammen und legen einen Index an, den sie miteinander im Peer-to-Peer verfahren teilen. Über das Programm lassen sich privat, unzensiert und dezentral Links sammeln, Suchergebnisse einspeisen (“crawlen”), kuratieren und sogar eine ganz individuelle Suche anlegen. Kehrseite der Sache sind allerdings die geringere Geschwindigkeit und die Tatsache, dass die Datenmenge mit der Anzahl der gerade aktiven Nutzer schwankt.
Bild: Auf Suche sind wir ja alle, irgendwie…Google hilft.






Die Macht von Google kritisch zu hinterfragen und die Suchmaschine nicht als objektiven Zugang zum Wissen im Web misszuverstehen ist absolut notwendig. Die Antwort auf die Frage geht aber über die Gatekeeper-Perpektive hinaus. Google ist nicht ein mächtiger Monolith, der die Macht in sich vereint und “souverän” ausübt. Ganz im Gegenteil ist Googles Suchmaschine auch geprägt von den Nutzern und ihrer Art, die Suchmaschine zu nutzen. Wir sind also keineswegs die machtlos dem “Quasi-Souverän” ausgeliefert, sondern machen letztlich seine Macht aus.
Der Medienwissenschaftler Theo Röhle hat das sehr schön in seiner Dissertationsschrift “Der Google-Komplex. Über Macht im Zeitalter des Internets” nachgewiesen. Dort wählt er einem der Fragestellung angemessen komplexen Zugang, der über eine reine Gatekeeper-Perspektive hinaus geht.