Aber ich kanns ja schnell herausfinden!

Wie wir unser Gedächtnis ins Netz auslagern

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Wann war nochmal Mauerfall? Schnell Wikipedia checken … ah, genau: “Donnerstag, 9. November, auf Freitag, den 10. November 1989″. Das Internet weiß fast alles. Und wir immer weniger. Wir lagern immer mehr Wissen und Erinnerungen ins digitale Netz aus. Denn: wir sind auch immer öfter online und haben fast immer Zugriff auf das ausgelagerte Wissen im Netz. Und das ist viel umfangreicher als unser individuelles Wissen jemals sein könnte. Etwas zugespitzt könnte man sagen: Wir sind auf dem Weg, ein Wesen mit individueller Beschränktheit und kollektivem Superhirn zu werden – Stichwort Noosphäre.

Mit den ausgelagerten kognitiven Fähigkeiten der Menschen setzt sich auch eine aktuelle Studie auseinander: Die Psychologin Betsy Sparrow hat mit Kollegen an der Columbia University in New York herausgefunden, dass unser Gehirn dazu tendiert, nicht die Information an sich zu speichern, sondern den Ort der Information. Und das ist eben immer häufiger Wikipedia, wo ja eben genauer steht, wann nochmal die Berliner Mauer fiel als wir uns das jemals merken würden – oder diese Mail, in der doch die Hausnummer der Geburtstagsparty eines Freundes nochmal erwähnt war. Sich etwas merken wird unnötig. Für die mobile Informationsverfügbarkeit sorgt ja dann das Smartphone in der Hosentsache.

Wie einem guten Freund vertrauen wir dem Netz einerseits immer mehr Informationen an – und wir vertrauen darauf, dass es die Informationen für uns immer zugänglich macht. Mit dieser Auslagerung des Gedächtnis hat sich auch Frank Schirrmacher beschäftigt. Dem Autoren und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geht ihm der Prozess aber zu weit. So merkt er kritisch in einem aktuellen FAZ-Artikel an: “Das ist keine Auslagerung von Erinnerung mehr, sondern deren Ersatz.“.

Mit vom Netz seien wir bereits kognitiv abhängig, sagte er im Breitband-Interview – das wir zusätzlich in voller Länge im Netz publizieren MP3-Direktlink. – beim Zuhören bitte zumindest eines im Kopf behalten: den Inhalt des Gespräches kann man auch später herausfinden auf breitband.dradio.de.

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Kommentare

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    Im Prinzip ist das Auslagern von Wissen ein alter Hut. Nur war es früher aufwändiger, wir haben es mit Büchern gemacht, die wir entweder zu Hause hatten oder in Bibliotheken.

    Die Verfügbarkeit von Wissen durch das Internet wurde einfacher und leichter für die meisten zugängig – wobei es die Bibliotheken (Gotts ei Dank) noch immer gibt.

    Dass, um geistig mobil zu bleiben, das Wissen auch in unseren Köpfen vorhanden sein soll/muss bleibt dabei unbestritten.

    Aber durch leichte Verfügbarkeit wird die Qualität durch diese Nutzung meinem Empfinden nach besser.
    Es ist wie immer eine Frage der Balance, in diesm Fall zwischen Netz und Hirn.

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